Erst Voyager, dann New Horizons

nh+vSommer 1989

Die meisten Jüngeren unter uns werden sich kaum an ein Ereignis der Raumfahrt- und Planetenforschung vor 25 Jahren erinnern. Man stelle sich vor, ein „Raumschiff“ namens Voyager 2 erforscht den (seit 2006) äußersten Planeten unseres Sonnensystems Neptun, macht atemberaubende Bilder, stellt einen Meilenstein der modernen Astronomie und Astroforschung dar und ist mittlerweile im interstellaren Raum „verschwunden“.

Und heute?

Das „Raumschiff“ Voyager befindet sich mittlerweile außerhalb unseres Sonnensystems und auf dem Weg in die Unendlichkeit (sofern es nicht irgendwann in ferner Zukunft auf irgendeinem namenlosen Planeten „aufdatscht“, in der Einflusssphäre einer Sonne einfach verdampft oder vielleicht in einem Schwarzen Loch zermahlen wird … oder wie in Star Trek –  Der Film aus dem Jahr 1980 als Steuerungskomponente einer riesigen Energiewolke wieder zur Erde zurückkehrt – aber das ist ein ganz andere Geschichte :-)).
Nun, 25 Jahre später ist es wieder soweit, wieder fliegt ein Raumschiff hinaus in die Weiten des Alls. Es ist die Raumsonde New Horizons, die im Auftrag der Menschheit (bzw. der NASA) die äußersten Regionen unseres Sonnensystems erforschen soll, den (Zwerg-) Planeten Pluto und ein größeres Objekt des Kuiper-Gürtels.

 

25 Jahre später!

Am 25.08.2014, auf den Tag genau exakt 25 Jahre nach Voyagers Rendezvous mit Neptun quert New Horizons die Umlaufbahn von Neptun. Leider wird es davon keine Bilder geben, denn Neptun ist sozusagen auf der anderen Seite der Sonne – na ja zumindest ziemlich weit weg (so um die 8 Lichtstunden oder 8,5 Mrd km).

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Position der äußeren Planeten und New Horizons (Stand 24.08.14)

 

Nicht ganz ein Jahr wird es noch dauern, bis New Horizons spektakuläre Reise ihr erstes Ziel, den (Zwerg-) Planeten Pluto,  erreicht und hoffentlich spektakuläre Ergebnisse und beeindruckende Bilder vom Rand unseres Sonnensystems liefern wird. Die heiße Phase der Mission beginnt im April 2015 mit dem Hochfahren und Kalibrieren der Instrumente sowie ersten Beobachtungen und Messungen, der sogenannte Closest Approach – die größte Annäherung an Pluto (weniger als 10.000 km) und seines größten Mondes Charon (etwa 27.000 km) – soll am 15.Juli 2015 stattfinden

Danach geht es weiter in den Kuiper-Gürtel, der in einer Entfernung von 30 bis 50 Astronomischen Einheiten einige zig-Tausend Objekte mit mehr als 100 km Durchmesser und viele weitere kleinere Objekte enthält. Von den größeren Objekten sollen nach dem Pluto-Vorbeiflug einige von New Horizons erforscht, d.h. angeflogen werden. Die Suche nach geeigneten Objekten hat bereits begonnen.

Die Mission soll bis etwa ins Jahr 2025 andauern – so lange wird die Plutonium“batterie“ genug Energie für New Horizons liefern.

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NH-Bilder von Pluto und seinem größten Mond Charon
(Entfernung etwa 425 Mio km,  Long Range Reconnaissance Imager (LORRI))

 

Doch das erste Ziel ist Pluto, der nach fast 10 Jahren Flugzeit im nächsten Sommer erreicht werden soll. Wir sind gespannt!

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Flugdaten von New Horizons (Stand 24.08.14)

 

Weitere Informationen auf der New Horizons Website (http://pluto.jhuapl.edu/) und in unregelmäßigen Abständen auf der Webseite der Rieser Sternfreunde.

 

Ganz nebenbei: Pluto ist schon mit einem Teleskop ab 200 mm (8 Zoll) Öffnung beobachtbar … bei „idealsten“ Bedingungen und da auch nur als ein kleines lichtschwaches Pünktchen unter vielen ebenfalls kleinen und lichtschwachen Pünktchen, so schwach wie die schwächsten im Teleskop erkennbaren Stern“pünktchen“ und damit eine echte Herausforderung für den Amateurastronom (siehe im Bild von Christian Frieber, www.frieber.at). Und für diejenigen, die jetzt enttäuscht sind: Auch von Hubble gibt es nur dieses Bild, richtige Oberflächendetails wird es erst von New Horizons geben.

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Pluto aus Sicht von Hubble

(Aufnahmen aus 2002 und 2003, das Rendern und Berechnen dauerte noch weitere 4 Jahre)

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Pluto, wie ihn der Amateurastronom „sieht“

(Bildquelle: http://www.astrotreff.de/topic.asp?ARCHIVE=true&TOPIC_ID=138811, das Bild selbst stammt von Christian Frieber, www.frieber.at, aufgenommen mit einem TEC-APO 140/980 – Genehmigung des Urhebers liegt vor)

 

Übrigens:

Noch ein Termin jährt sich am 25. August … vor 2 Jahren, am 25.08.2012 starb Neil A. Armstrong an den Folgen einer Herzoperation. Der erste Mensch, der einen fremden Himmelskörper betrat, wurde 82 Jahre alt.

 

Bildquellen:

http://pluto.jhuapl.edu/

http://pluto.jhuapl.edu/mission/whereis_nh.php

http://www.nasa.gov/mission_pages/hubble/science/pluto-20100204.html

http://www.frieber.at

http://www.astrotreff.de/topic.asp?ARCHIVE=true&TOPIC_ID=138811

Aufgerüstet!

Los geht’s …

Jetzt geht es los, dachte ich mir!

Immer nur zuschauen, das reicht nicht!

Fotografieren möchte ich!

Planeten und Mond mit der Webcam, das „läuft“ ja schon seit 2 Jahren. Jetzt will ich in den tiefen Himmel hinein – DeepSky!!!

Materialschlacht!

Aber da braucht’s ja einiges mehr, als nur ein Teleskop und eine Kamera. Denn für Langzeitbelichtungen muß das Teleskop bzw. die Montierung gesteuert und nachgeführt werden, „guiding“ nennt man das. Und dafür muß ein wenig investiert werden:

  • Guidingkamera (ALccd5L-IIc – die vorhande Webcam (Phillips SPC900) würde zwar auch gehen, aber diese ist empfindlicher und darüber hinaus leistungsfähiger für Planeten und Mond)
  • Tangentialneiger (zum Ausrichten auf einen Leitstern – „günstig“ bei Ebay ergattert)
  • Pentax Takumar 300mm Teleobjektiv (die „Brille“ für die Guidingkamera – wenigstens das hat nichts gekostet, das war schon da)
  • Canon EOS 600D (Spiegelreflexkamera – drei, zwei, eins, meins, Ebay macht’s möglich)
  • Televue Powermate 2x (Barlow zur Verlängerung der Teleskop-Brennweite, von ICS)
  • Montierungsschienen (vom Wolfi)
  • neuer (kürzerer) OAZ (Baader Steeltrack – Ebay, woher sonst?)
  • Motorfokus (war beim OAZ dabei)
  • USB-Kabel, Stromkabel, Klett-Bänder

teleskop1_webseite   teleskop3_webseite

So, nachdem das alles vorhanden war, zusammengebaut und das Zusammenspiel getestet wurde, konnte es losgehen. Aber STOP!

Was noch fehlt ist die Informationstechnik:

  • Software zu Guiden (PHD2)
  • Software für die Steuerung der EOS (astrojantools)
  • Treiber für die ALccd5L-IIc
  • Stackingsoftware (für das „Übereinanderlegen“ der Einzelaufnahmen, Fitswork)

So, jetzt aber! MOMENTERLE, so einfach is es ja nun auch net!

Jetzt kommt die Zeit des tüftelns, fluchens, testens, probierens, … aber irgendwann spielen dann doch ALLE Komponenten mit und vor allem: Sie funktionieren zusammen!

First Light!

Ende Mai dann ein erster Versuch an M88 und dann Anfang Juni eine erste richtige DeepSky-Session, u.a. mit M57, M51 und M13. Für M51 habe ich die einzelnen Foto-/Bearbeitungs-Schritte etwas ausführlicher dargestellt:

m51-1_webseite

Rohbild „direkt“ aus der EOS (45 Sekunden belichtet, ISO 800, 10 Bilder), nicht viel zu sehen!

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Gestacktes Bild (Fitswork), schon besser!

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Nachbearbeitetes – fertiges – Bild (Corel PhotoPaint)

 

m57_webseite

M57

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M13

 

Mir ist schon klar, daß diese Fotos noch nicht perfekt sind (aber für die allererste DeepSky-Session sind die Ergebnisse zufriedenstellend?!) und hier noch viel Entwicklungspotential vorhanden ist. Alleine das genaue bzw. perfekte Zusammenspiel der Technik, Mechanik, Informationstechnik, etc. ist eine Wissenschaft für sich und es dauert schon eine lange Zeit und man braucht viel Erfahrung, bis hier alles passt. Aber es ist möglich – zahlreiche Amateuraufnahmen in unserem Kreis und in diversen Astronomie-Foren zeigen, daß es möglich ist Fotos zu machen, die einem nur „so die Ohren schlackern“ lassen!

Aber das ist ein Ziel, das es zu erreichen gilt. Und diese Herausforderung anzunehmen, ist Teil unseres Hobbys!

 

Jupiter – jetzt noch größer und noch besser! (update)

Gute Bedingungen!

Am letzten Montag waren die Verhältnisse für astronomische Beobachtungen hervorragend – keine Wolken, trockene Luft, geringes Seeing, kaum wahrnehmbaren Jetstream.

Wieder sollte der Jupiter das Objekt der Nacht werden, allerdings diesmal mit größerem Abstand der WebCam vom Okluar (Tipp von Matthias), der mir einen größeren Jupiter liefern sollte.

Die Bedingungen waren so gut, daß ich eine recht lange Aufnahme von über 2 Minuten anfertigen konnte. De-Rotieren, Stacken, Schärfen und Nachbearbeiten erfolgte dann wieder nach Hinweisen und Tipps von Matthias und das Ergebnis kann sich – so denke ich – nun recht gut sehen lassen.

jupiter_20140224

 

Zum Vergleich eine Jupiter-Darstellung aus WinJUPOS für den gleichen Zeitpunkt (so sähe Jupiter dann wirklich aus).

jupiter_20140224+jupos

Aufnahmedaten:

  • Aufnahme 24.02.2014, 20.59 Uhr
  • Teleskop: Skywatcher Newton 8″ (Brennweite: 1000 mm)
  • Okularprojektion: TS Planetary 9 mm
  • effektive Brennweite: 6700 mm (Berechnung nach Hohmann)
  • Brennweite/Öffnung (effektiv): f33
  • Kamera: Phillips SPC900NC
  • Bilder: 2000 (avi mit wxAstro Capture)
  • De-Rotiert: WinJUPOS
  • Stacking: Autostakkert (Verwendung 35%)
  • Schärfen: Registax 6
  • Randentfernung: div. Grafik-SW

 

Die Arbeitsschritte im Bild

1. Ein Bild aus dem avi-Film (also sozusagen ein Rohbild von 2000)01_avi

2. Ein Bild nachdem der Film de-rotiert wurde (keine Änderungen erkennbar)02_derot

3. Gestacktes Rohbild (Autostakkert), noch unbarbeitet03_autostakkert

4. Geschärftes Bild (Registax)04_registax

5. nachbearbeitetes (fertiges) Bild (v.a. Kontrast und Hintergrund)05_cpt

Und er dreht sich doch!

Einen ganz interessanten Effekt konnte ich erst beim Nachbearbeiten meiner Filmdateien erkennen. Nur 2 Minuten nach der ersten Aufnahme startete ich eine zweite, die ebenso lang war. Nach der Bildverarbeitung sah ich beim scrollen durch die Bilder, daß Jupiter sich in der kurzen Zeit ein wenig weiter gedreht hat.

Ein wenig gerechnet … für eine Umdrehung braucht der Riese nicht ganz 10 Stunden (09:55:30), das heißt in grob 4 Minuten (Mitte erster Film bis Mitte zweiter Film) dreht sich der Planet um etwa 2,4 Grad – DAS ist zu sehen!!!

Genau hinschauen 🙂 :

 jupiter_2minuten4

Ein Wetterfenster genutzt – Jupiter und Mond am 11.02.2014

Der 11.02.2014 sollte laut www.meteoblue.com endlich wieder passable Bedingungen für astronomische Beobachtungen liefern.
Das wollte ich mir nicht entgehen lassen und habe schon am Spätnachmittag meine CGEM-DX, das 8″ Newton und den ganzen anderen Kram nach draußen geschleppt und aufgebaut.

So konnte ich auch schon recht früh loslegen, aber was für eine Enttäuschung: Wolkenlos mit unterirdischem Seeing, zudem störte auch noch der Mond, der sich nahe bei Jupiter befand.

Egal, Notebook und Webcam in Betrieb genommen und versucht, das Beste draus zu machen. Was dann letztendlich dabei raus kam, war gar nicht mal sooo schlecht. Jupiter war recht gut beobachtbar (trotz dem hellen Mond) und natürlich bot auch der Mond ein lohnendes Objekt.

Hier eine Aufnahme des Jupiters mit zwei Galilei’schen Monden – Io (li.) und Europa  (re.):_jupiter+2m_2

[avi mit 500 Bilder, gestackt und nachgeschärft mit Giotto, nochmals nachgeschärft mit Corel PhotoPaint]

Die Aufnahme ist etwas blass, was vermutlich an der starken Helligkeit durch den Mond lag. Zum Vergleich eine Aufnahme in dunkler Nacht vom August 2012.

_jupiter_2012_001a

 

Dann, wenn „er“ schon da ist, noch auf den Mond drauf gehalten und eine ganz passable Aufnahme von einem meiner Lieblings-Objekte, dem Vallis Schröteri, bekommen:mond_schroeteri

Das Vallis Schröteri beginnt im Krater Herodotus („Kopf der Kobra“, Durchmesser 34km), ist etwa 180 km lang bei einer Breite zwischen 10km und 500m und ist bis zu 1 km tief . Der große Krater daneben ist Aristarchus (Durchmesser 40km).

Übrigens: Das Wetterfenster schloss sich mit hohen Wolken gegen 23 Uhr, gegen Morgen begann es zu regnen.

Supernova und Hiroshima

Gemeinsamkeiten

Was haben die Supernova SN2014J in M82 und Hiroshima gemeinsam?

Auf den ersten Blick … nichts!Little_Boy

Aber der Name Hiroshima ist bekannt, schließlich wurde hier vor bald 70 Jahren erstmals eine Nuklearwaffe zum Einsatz gebracht. Einer Sprengkraft von etwa 13 Kilotonnen TNT fielen unmittelbar bis zu 90.000 Menschen zum Opfer.

Und genau weil dies eigentlich jedermann bekannt ist, eignet sich dieses zerstörerische und grausame menschliche Tun, die Dimension eines ungleich größeren Ereignisses zu veranschaulichen. Vergleicht man die zerstörerische Kraft von „Little Boy“ (so der verniedlichende Name der Hiroshima-Bombe) mit der Supernova SN2014J, so wird man aus dem Staunen nicht mehr herauskommen – versprochen!

 

Rechenspiele

Dazu brauchen wir aber ein klein wenig Mathematik:

Die Hiroshima-Bombe hatte etwa einen Durchmesser von 0,71m und eine Länge von 3,20 m. Nimmt man nun der Einfachheit halber an, daß die Bombe eine zylindrische Form hat, dann ergibt sich mit

Volumen(Zylinder) = pi * radius^2 * hoehe

supernova_suw

Volumen(LittleBoy) = 3,14 * (0,355 m)^2 * 3,20 m =1,26 m^3

 

Wie in meinem letzten Bericht „Typ Ia-Supernova in M82“ geschrieben, setzen Typ Ia-Supernovae eine Energiemenge frei, die sich in der Größenordnung von 10^44 Joule bewegt, was der Energie entspricht, die 1,7*10^30 Hiroshima Bomben freisetzen würden.

Diese 1,7*10^30 „Little Boys“ haben ein rechnerisches Volumen von 2,142*10^30 m^3 oder (da steckt jetzt der Faktor 10^-9 drin) 2,142*10^21 km^3 (Kubikkilometer!). erde

 

 

So, und jetzt vergleichen wir … sagen wir mal, mit der Erde!

 

Die Erde stellen wir uns – wieder der Einfachheit halber – als ideale Kugel mit dem Durchmesser 12.700 km vor. Diese hat ein Volumen von

Volumen(Kugel) = 4/3 * pi * radius^3

Volumen(Erde) = 4/3 * pi * (6350 km)^3 = 1,07*10^12 km^3

 

Mehr als gewaltig!

Setzen wir nun beide Volumina ins Verhältnis, dann ergibt sich folgendes:

Volumen(Typ Ia-Supernova-Little-Boys) = 2.001.869.159 * Volumen(Erde)

oder anders formuliert:

Eine Typ Ia-Supernova hat so viel Sprengkraft,

wie 2 Milliarden erdgroße Hiroshima Bomben !!!

 supernova_img0

(genauso leicht auszurechnen:

Volumen(Typ Ia-Supernova-Little-Boys) = 1.519 * Volumen(Sonne)

oder: Eine Typ Ia-Supernova hat so viel Sprengkraft, wie 1.519 sonnengroße Hiroshima Bomben!)

 

Jetzt versteht man vielleicht besser, warum ich in meinem Supernova Artikel geschrieben habe:

Es gibt im gesamten Universum nichts, aber auch gar nichts,

das eine größere Energiefreisetzung aufweist, als eine Typ Ia-Supernova!

 

Bildquellen:

1) http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/e/e0/Atombombe_Little_Boy_2.jpg/539px-Atombombe_Little_Boy_2.jpg

2) http://www.sterne-und-weltraum.de/fm/912/thumbnails/supernova.jpg.379490.jpg

3) Google Earth

4) http://img0.mxstatic.com/wallpapers/d76fbd639fce7b660a4d4cc17371f783_large.jpeg

Typ Ia-Supernova in M82

Typ Ia-Supernova in M82

Die Supernova SN2014J in der Zigarrengalaxie M82 (in der Nähe des Großen Wagens) wurde erstmals am Abend des 21. Januar an der Sternwarte des University College London vom Lehrerkollegen Steve Fossey und den Teilnehmern eines Astronomieseminars – Ben Cooke, Tom Wright, Matthew Wilde und Guy Pollack – als unbekannte Lichtquelle in der ansonsten vertrauten Galaxie beobachtet.

Ihre maximale Helligkeit soll die Supernova Anfang Februar erreichen und dann auch mit kleineren Amateurteleskopen zu sehen sein (laut apod.nasa.gov).

M82_Supernova_Typ_Ia M82_Supernova_Typ_Ia(Ausschnitt)

 

Supernovae vom Typ Ia

Spektren lassen darauf schließen, daß SN2014J vom Typ Ia ist – die Explosion eines weißen Zwergs, der Material von einem Begleitstern akkretiert (aufsammeln von Materie versursacht durch Gravitation) hat.

Diese Akkretion endet – akutellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Folge – aprupt, sobald der weiße Zwerg eine Masse von 1,44 Sonnemassen (sog. Chandrasekhar-Grenzmasse) erreicht hat. Dann wird der weiße Zwerg instabil und zündet in seinem Inneren einen Kohelstofffusionsprozess, der dazu führt, daß der innere Druck in dem weißen Zwerg schlagartig zunimmt. Auf Grund seiner Zusammensetzung (sogenanntes „entartetes Elektronengas“) kann sich der Stern aber nicht weiter ausdehnen und nicht abkühlen (für genauere Informationen empfehle ich an dieser Stelle das hervorragende weil verständlich geschriebene Buch „Sterne“ von Harald Lesch und Jörn Müller vom Goldmann-Verlag). Dieser Fusionsprozess frisst sich immer weiter durch den weiße Zwerg, bis explosionsartig weitere Fusionsprozesse zünden: zuerst das Sauerstoffbrennen, dann Neon- und letztlich das Siliziumbrennen. M82_Supernova_Typ_Ia(wikipedia)

 

Nichts bleibt übrig …

Die dadurch frei werdende Energiemenge ist so gewaltig, daß der weiße Zwerg schließlich in einer Supernova regelrecht zerrissen wird – da bleibt nichts übrig!

Die frei werdende Energiemenge bewegt sich im Bereich von etwa 10^44 Joule (das wären dann so ungefähr 1,7*10^30 Hiroshima Atombomben) und die entstehende Helligkeit wächst bis auf 20 Magnituden an. Es gibt im gesamten Universum nichts, aber auch gar nichts, das eine größere Energiefreisetzung aufweist, als eine Typ Ia-Supernova!

Die beobachtete Supernova in M82 ist etwa 12 Millionen Lichtjahre entfernt – allein schon die Tatsache, daß ein kosmisches Ereignis über diese Entfernung „zu sehen“ ist, sollte die Dimension des Ereignisses deutlich machen.

Übrigens nicht nur 12 Millionen Lichtjahre entfernt, sondern auch vor 12 Millionen Jahren, denn so lange war das Licht dieses „Knalls“ bis zu uns unterwegs.

 

Supernova in Erdnähe, und dann?

Wir Erdenbewohner sollten froh sein, daß diese Supernova so weit weg geschah, denn geschähe dies in unserer Nähe – wobei der Begriff „Nähe“ immer noch Entfernungen von 150 Lichtjahren meint – dann könnten wir ein solches Ereignis getrost als globalen Killer bezeichnen.

Laut Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Supernova) könnten die entstehenden Gammastrahlen unsere Ozonschicht und damit auch recht kurzfristig alles Oberflächenleben auf unserem Planeten vernichten – „sayonara„, das war’s dann!

Erst bei Supernovae, die weiter als 3000 Lichtjahre entfernt sind, können wir uns einigermaßen sicher fühlen.

 

Damit aber bei den interessierten Lesern zumindest ein gewisses Unwohlsein bleibt :-):

Als erdnächster bekannter Kandidat für eine künftige Supernova dieses Typs gilt IK Pegasi in etwa 150 Lichtjahren Entfernung.

 

Bild- und Informationsquellen:

1. M82:  http://apod.nasa.gov/apod/ap140124.html (die Ausschnittsvergrößerung ebenfalls)

2. Typ Ia-Supernova: http://de.wikipedia.org/wiki/Supernova#Thermonukleare_Supernovae_vom_Typ_Ia

3. http://www.starobserver.org/ap140124.html (deutsche Übersetzung der englischen APOD-Seite)

4. Lesch/Müller: „Sterne – Wie das Licht in die Welt kommt“, Goldmann-Verlag

Eine Idee ausprobiert …

Die Nacht 19./20.07.2013 begann besch…eiden, eigentlich sollte das Vallis Schröteri beobachtet werden, aber dafür war ich einen Tag zu früh dran – das Vallis versteckte sich noch in der Dunkelheit der Mondnacht. Darüber hinaus war das Seeing für eine Webcam-Aufnahme eh unterirdisch schlecht und der Mond schon zu hell für Deep-Sky-Beobachtung, aber das Teleskop ist nun mal aufgebaut. Was tun?

Da kam mir eine Idee: Ich versuche ein Panorama vom Mond zu erstellen – keine Details, eine Übersichtsaufnahme sollte entstehen.

Notebook gestartet, Webcam (SPC900) angeschlossen und in den OAZ gesteckt, kein Okular oder Barlow sollte das Sichtfeld einschränken. Es dauerte nicht lang und sechs kurze AVIs a 500 Bilder waren „im Kasten“. Diese wurden durch Autostakkert geschickt, die fertigen Bilder mit Giotto geschärft, anschließend mit Hugin ein Panorama erstellt, dieses mit passender Grafiksoftware nochmals nachbehandelt, Tonwertkorrektur durchgeführt, Kontrast verstärkt und fertig war eine Panoramaaufnahme des westlichen Mondes nahe des Terminators.
mond_pano_west
Ich denke das Ergebnis ist zwar nicht perfekt – angesichts der Vielzahl an erstklassigen Mondaufnahmen im Web – aber allemal vorzeigbar.

Das nächste Projekt ist schon in der Entstehung: Der ganze Mond, die 30 AVI-Dateien sind schon da!

Übrigens: Vallis Schröteri kam am Folgetag ins Bild, allerdings bei wieder sehr schlechtem Seeing.

vschroeteri

NASA entdeckt neuen Neptun-Mond

Mark Showalter vom Seti-Institut (Search for Extra-Terrestial Intelligence) hat mit Hilfe des Weltraumteleskops Hubble am Planeten Neptun einen 14. Mond entdeckt, der 1989 selbst der Raumsonde Voyager 2 „entgangen“ war. Bei seiner Untersuchung des Ringsystems von Neptun mit Hilfe von 150 Hubble-Aufnahmen der Jahre 2004 bis 2009 hat Showalter einen kleinen schimmernden Lichtfleck im Ringsystem aufgespürt, der sich nun als neuer Begleiter des Neptuns herausstellte.
neptunmond
Der „Neue“ in unserem Sonnensystem wurde durch die NASA mit dem noch sehr formell klingenden Namen S/2004 N1 bezeichnet. Der Mond hat einen geschätzten Durchmesser von 16-20 km und umkreist in etwa 23 Stunden den Planeten in einer Entfernung von 100.000 km.
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Neptun selbst ist der äußerste Planet des Sonnensystems (Pluto wurde ja zum ‚dwarf planet‘ / Zwerplanet herabgestuft) und ist etwa 30 Astronomischen Einheiten (30-fache Entfernung Erde-Sonne) von uns entfernt – etwa 4,5 Milliarden Kilometer. Das Licht braucht für diese Strecke ungefähr 250 Minuten!
Entdeckt wurde der fast 50.000 km im Durchmesser messende blau erscheinende Gasriese im Jahre 1846 auf Grund von Bahnstörungen des vorletzten Planeten Uranus. Detaillierte Informationen über Neptun sind auf Wikipedia nachzulesen (http://de.wikipedia.org/wiki/Neptun_(Planet)).
neptun2

Neptun (im Vergleich dazu die Erde)


Bildquellen:

http://www.tagesschau.de/ausland/neptunmond100.html
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Hubble-Mini-Mond-am-Neptun-entdeckt-1918940.html
http://de.wikipedia.org/wiki/neptun_(planet)

Die Erde als Golfball … oder: Wie „groß“ ist die Erde wirklich?

Hier noch ein kleiner Vortrag als Nachtrag zu Hannes‘ Artikel.

Zum Größenvergleich gibt es auch Planetenwanderwege, unter anderem in unserem Nördlingen Ries.

Die Sonne spielt dabei die Kugel auf der Spitze des Nördlinger Kirchturms. Viele andere Planetenwanderwege sind hier vermerkt: Wikipedia

Wie „groß“ ist die Erde?

Na ja, sie ist schon groß … ein Flugzeug würde nonstop etwa 40 Stunden benötigen, um sie einmal zu umrunden – das ist schon groß!
Oder doch nicht?
Wie „groß“ ist unsere Erde denn im Vergleich zu manchen Objekten oder Entfernungen im Weltraum? Ist sie da immer noch „groß“?
Vielleicht helfen die folgenden Vergleiche etwas, um auf diese Frage eine Antwort zu finden …

Die Erde als Golfball

Also, nehmen wir einmal an, wir könnten die Erde auf die Größe eines Golfballs verkleinern und den ganzen Rest des Sonnensystems und Universums um denselben Faktor schrumpfen. Dieser Faktor ist leicht auszurechnen:
Die Erde hat einen Durchmesser von etwa 12.700 km, ein Golfball ungefähr 4,26 cm – der zugehörige Verkleinerungsfaktor beträgt 3,34*10^-9. Diesen Faktor kann man nun auf andere Größen übertragen und erhält erstaunliches!

Der Mond wird zur Haselnuss

Unser Mond wäre nur noch so groß wie eine Haselnuss (etwas mehr als 1 cm im Durchmesser) und würde uns in etwa 1,30 m Abstand umkreisen während wir in nahezu 500 m Entfernung unsere Kreise um die 4,65 m im Durchmesser messende Sonne ziehen.
Mars hätte einen Durchmesser von 2,2 cm und wäre im Schnitt 760 m von der Sonne entfernt. Der größte Planet des Sonnensystems – Jupiter – ist mit fast 50 cm Durchmesser schon 2600 m von der Sonne entfernt, Saturn noch weiter: 4800 m bei einem Durchmesser von 40 cm.


Maßstabgetreues Größen-Abstands-Verhältnis zwischen Erde und Mond.Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Mond

Und weiter geht’s:

Uranus‘ Entfernung zur Sonne würde 9600m betragen, Neptun ist gar 15 Kilometer und Pluto beinahe 20 Kilometer von unserem Zentralgestirn entfernt – wohlgemerkt bei einer angenommenen Größe der Erde von einem Golfball.


Abstandsverhältnis Erde/Mond, Venus, Merkur, Sonne mit Bereichen der Umlaufbahnen. Entfernungen und Größe der Sonne sind hierbei maßstabsgetreu.Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sonnensystem

Raus aus dem Sonnensystem

Wenn man nun noch den Blick aus dem Sonnensystem heraus wagt, wird es wahrlich „astronomisch“: Der nächste Stern, Proxima Centauri, hat von uns eine reale Entfernung von 4,24 Lichtjahren. Im vorgestellten Modell würde man ihn etwa auf einem Drittel der Entfernung zum Mond finden. Dazwischen ist … kaum vorstellbar: Nichts (von ein paar vereinzelten Wasserstoff- oder Heliumatomen mal abgesehen)!
Wie weit wäre wohl unsere Nachbargalaxie, die Andromedagalaxie entfernt, wenn die Erde ein Golfball wäre? In der Realität sind es 2,5 mio Lichtjahre – also gerade mal 23,6 Trillionen Kilometer …

Wenn die Erde so groß wie ein Golfball ist, dann ist die Andromedagalaxie unvorstellbare etwa 80 Milliarden Kilometer (das ist etwa die 533-fache Entfernung Erde – Sonne, selbst Voyager 1 ist bisher „nur“ gute 25 Milliarden km – 22,5 Lichtstunden – weit „draußen“) entfernt und dazwischen ist nichts!

Wir sollten uns darum kümmern

Also, sooo groß scheint unsere Erde doch nicht zu sein, eher klein und unbedeutend im galaktischen Kommen und Gehen. Dennoch: Sie ist unser einziges zu Hause im Universum und das sollten wir bewahren lernen.

Gedanken zum Tod von Neil A. Armstrong

Neil Alden Armstrong vor der historischen Mission


Heute ist es einen Monat her, daß die Nachricht vom Ableben Neil Armstrongs die Welt derer erschüttert hat, die mit den Themen Astronomie und Raumfahrt enger verbunden sind, steht doch der Name für DAS Ereignis des letzten Jahrhunderts – dem ersten Betreten eines fremden Himmelskörpers durch einen Menschen.
Der Name des Hauptakteurs gehört eigentlich zum Allgemeinwissen eines jeden Menschen, der am oder nach dem denkwürdigen Datum im Juli 1969 gelebt hat bzw. lebt.

Ein 39-jähriger US-Amerikaner, Testpilot, Astronaut, aber vor allem Mensch Neil Armstrong hat mit einem in der letzten Phase riskanten und gewagten, aber erfolgreichen Maneuver sein Raumschiff auf dem Mond gelandet und 5 Stunden später diesen Himmelskörper betreten. Er war aber nicht der einzige Mensch, der dies geschafft hat, weitere 11 Menschen, die ihrerseits nicht weniger Können und Wagemut einsetzen mussten, um erfolgreich zu sein, folgten ihm.
Neil Armstrong war ein Wegbereiter für die Kommandanten Conrad, Shepard, Scott, Young und Cernan mit ihren Begleitern, die die von ihm gewonnenen Erfahrungen nutzten um ihrerseites in immer gewagteren Flügen das technisch und menschlich Machbare auszureizen.

Neil Armstrong 2009

Neil Armstrong war nicht der Typ Mensch, der die durch Politik und Medien auferlegte Rolle des Helden auslebte. Er sonnte sich nicht im Glanze seines Wirkens, für ihn war es ein Auftrag, den er, seine Kollegen und die NASA vom verstorbenen Präsidenten Kennedy angenommen haben – er hatte diesen Auftrag „erfüllt“, nicht mehr und nicht weniger: „Mission accomplished„.
Er hoffte durch diese Tat, daß die Menschen dieser Welt näher zusammenrücken und erkennen, daß es nur diese eine Welt gibt – eine Welt, die es zu erhalten und zu schützen gilt. Die Menschen dieser Welt haben seinen Enthusiasmus nicht geteilt, er hat seine Konsequenzen gezogen und bereits 1971 der NASA den Rücken gekehrt.
Verschiedene Tätigkeiten als Dozent (Luft- und Raufahrttechnik an der University of Cincinnati) und in der Wirtschaft (unter anderem erfolgreiche Gründung eigener Firmen) folgten, ebenso wie der zweite Vorsitz der Untersuchungs­kommission zum Challenger-Unglück 1986. Er war ein großer Befürworter weiterer bemannter Raumflüge zu Mond und Mars und kritisierte im Jahre 2010 in scharfer Form, die Einsparvorgaben und Streichungen bemannter Mondflüge durch den Präsidenten Obama.

Bis zu seinem Tod am 25.August 2012 hielt er an seinen Grundsätzen fest, er zeigte sich selten im Rampenlicht der Öffentlichkeit, gab keine Interviews sein Gefühlsleben betreffend und – imposant – verweigerte bis zum Schluß jegliche Autogrammwünsche.
Seinen Grundsätzen blieb er bis über den Tod hinaus treu – es wird keinen Ort geben, an dem seine sterbliche Überreste zur Pilgerstätte werden können. Seine Asche wurde am 15. September 2012 an Deck des Kreuzers USS Philippine Sea im Atlantik dem Meer übergeben.
Er ist nun in seinem „Meer der Stille“ angekommen – seinem Mare Tranquilitatis.

Übergabe der Asche Neil Armstrongs an „sein“ Mare Tranquilitatis

Die Welt hat mit seinem Tod keinen unsterblichen Helden verloren, sie hat einen Menschen verloren.

 

Bildquelle: NASA (www.nasa.gov)